Melanele’s Questions

Melanele hat kürzlich einen interessanten Artikel (italienisch) geschrieben, in welchem es um Hausaufgaben geht. Sie hat mich eingeladen, mich zu folgenden Fragen zu äußern, also:

„Wie haltet ihr es im Homeschooling mit den „Hausaufgaben“?
Hm, also es gibt bei uns eigentlich keine Hausaufgaben in der herkömmlichen Tradition der Schule. Natürlich kann man das nicht grundsätzlich Homeschooling-System nennen, denn da hält ja jede Familie oder Gruppe es so, wie es für sie passt.
Die Kinder erhalten von mir keine Arbeiten und Übungen, die bis zum nächsten Tag oder innerhalb irgendeines Termins zu erledigen sind. Sicherlich könnte man das machen, z. B. könnte dadurch das Verantwortungsbewusstsein der Kinder gefördert werden (also sich die Zeit selbst einzuteilen usw.). Wir machen es nicht, weil es einfach nicht zu uns, zu unserem Lebens- und Lernstil, passt. Ich finde, die Kinder haben schon so ausreichend Gelegenheiten, sich im Zeit-Einteilen zu üben und Verantwortung zu übernehmen: zwischen Musikschule, Freunde treffen, Bibliothek , eigene Projekte usw. gibt es bereits genügend Möglichkeiten mit Zeit und Verpflichtungen umzugehen, ohne dass man hier „künstlich“ eingreift.

„Welche Unterschiede gibt es zwischen Lernübungen im Homeschooling und den Hausaufgaben, die von der Schule gegeben werden?“
Bei der Beantwortung dieser Frage kann ich natürlich nur die Schule-Hausaufgaben mit den Übungen, die z. B. Sandro am Vormittag macht, vergleichen.
Einer der Unterschiede ist, dass man die Übung genau diesem einen Kind anpassen kann, sei es mengenmäßig wie im Schwierigkeitsgrad, aber auch in der Ausführung: Sandro mag Rechengeschichten mit sprechenden Enten viel lieber und hat mehr Spaß dabei, als wenn in der Rechnung die Hausfrau XY einkaufen geht. John hatte in seinem Alter gerne Rechnungen mit Superhelden im Einsatz. Sandro schreibt mit mehr Begeisterung einen Aufsatz, der auch mit einem aktuellen Interesse  oder Anlass zu tun hat, als einen Text zu einem Thema, das ihn momentan gar nicht anspricht. Mir ist es ja letztendlich egal, ob er einen Bericht über den Zusammenstoß zweier Star-Wars-Schiffe schreibt oder den typisch „schulischen“ Bericht über einen Verkehrsunfall – Hauptsache, er lernt dabei die Kriterien des Berichte-Schreibens korrekt einsetzen.
Dieses individuelle System in einer Schulklasse mit vielen verschiedenen Kindern und ihren jeweiligen Interessen und Fähigkeiten umzusetzen, wäre wahrscheinlich in einem gewissen Rahmen und unter bestimmten Bedingungen schon möglich, und ich weiß, manche Lehrpersonen geben sich viel Mühe auf die verschiedenen Persönlichkeiten der Kinder einzugehen. Das System der Hausaufgaben von der Schule entspringt wohl auch dem Bedürfnis nachzuprüfen, ob die Kinder den Lernstoff auch wirklich selbständig beherrschen – während des traditionellen Unterrichts kann eine Lehrerin wohl nicht bei jedem Kind feststellen, ob und wie gut es die Sache verstanden hat und ob es sie anwenden kann.
Und dann wäre da noch das Problem mit der Bewertung, das bei uns natürlich auch wegfällt: außer bei den Eignungsprüfungen alle zwei, drei Jahre kennt Sandro keine Noten, er lernt also in erster Linie nicht für eine Bewertung sondern einfach, um die Dinge zu können, kennenzulernen, ausprobieren zu können. Diese Erfahrung gemacht zu haben, wirkt sich jetzt etwa bei John in der Schule positiv aus: er kennt überhaupt kein Aufgeregtsein vor einer Prüfung oder Schularbeit und macht sich auch wirklich keinen Stress wegen den Noten. Natürlich freut er sich über eine 9, aber er sieht die Noten mehr als eine Art ‚erwünschte Nebenwirkung‘.
Der größte Unterschied ist natürlich, dass die behandelten Inhalte sich so weit als möglich an den Interessen des Kindes orientieren bzw. man dem Kind viel Raum geben kann, selbst zu entscheiden, mit was es sich länger und mit was es sich weniger befassen möchte. Ein Beispiel: bei unserem Jahresthema „Europa“ in Geografie wählt Sandro nach und nach die Länder aus, die er vertiefen möchte. Dabei kommt uns zugute, dass er ein ziemlich „sprunghafter“ Typ ist, der sich schnell für etwas begeistern kann: so hat er bereits einige Male „Lieblingsland“ geändert und kommt also immer wieder in den Genuss, über sein aktuelles Lieblingsland zu lernen. Anstatt dann sich also „nur“ mit Hauptstädten, großen Flüssen und Bergen zu befassen, kann er sich auch mit Politik und Geschichte und vielen größeren und kleineren Besonderheiten beschäftigen – und zwar, so lange er es möchte: er kann einen Tag mit Irland verbringen oder eine ganze Woche. Es kann gut möglich sein, dass am Ende des Projektes „weniger geliebte“ Länder übrig bleiben, wo er sich vielleicht eben doch nur Name und Hauptstadt merken will, aber ich finde das nicht so schlimm. Ähnlich ist es beim „Künstler des Monats“, beim „Komponisten des Monats“, beim „Tier des Monats“ usw.: die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, auch in der Ausführung (Plakat? Lapbook? Aufsatz? Bild? Gedicht? Info-Kärtchen?) wirkt sich immer positiv auf den Lernprozess und das Lernverhalten aus.
Im Gegensatz dazu erlebe ich die Hausaufgaben, die John von der Schule heimbringt. Er selbst findet, dass sie nicht das Lernen fördern, sondern eher behindern. Es bringt ihm nicht viel, dieselben Mathematik-Übungen wie der Rest der Klasse zu machen, wo er doch keinerlei Schwierigkeiten damit hat und das Üben oder Nichtüben keinen Unterschied macht, außer, dass es ihm seine (wertvolle) Zeit raubt. Andere Hausaufgaben (Notizen aus dem Buch zusammenfassen, Fragen schriftlich beantworten) findet er auch lästig, da er viel lieber auf andere Art und Weise lernen würde; immerhin hat er in punkto Lernmöglichkeiten in den letzten Jahren viel experimentieren können und weiß, wie er sich die Dinge am besten einprägt: etwa durch Plakatgestaltung und Schaubilder, vor allem aber durch Diskutieren und Erzählen, im lebendigen Austausch mit einem Gesprächspartner also.

„Hat John eine Art Routine für die Hausaufgaben entwickelt? Schafft er es, sich selbständig zu organisieren? Findet er es schlimm, jetzt weniger Zeit als früher zur Verfügung zu haben?“
Meistens erledigt John die schriftlichen Hausaufgaben sofort wenn er nach Hause kommt, also gegen 17 Uhr. Er hat durchschnittlich eine halbe Stunde damit zu tun (er ist da ziemlich schnell und erhebt keinen Anspruch auf Perfektion). Für jene Dinge, die für mündliche Prüfungen und Tests zu lernen sind (und das ist ziemlich viel, es gibt jede Woche einige Tests in den verschiedenen Fächern), lässt er sich meistens Zeit und lernt einen oder zwei Tage vorher. Er nutzt also bewusst das Kurzzeitgedächtnis. Dinge, die ihn aufrichtig interessieren, muss er meistens nur noch einmal durchlesen, da er bereits während des Unterrichts viel aufnimmt. Er organisiert sich in dieser Hinsicht recht selbständig, nimmt aber meine Ratschläge gerne an z. B. wenn ich ihn darauf hinweise, dass wir am Sonntag Besuch bekommen und er dann nicht die nötige Ruhe zum Lernen hätte, dann lernt er am Tag vorher. Er bezieht mich auch immer ein: erzählt, um was es gerade geht, zeigt mir manchmal seine Übungen oder bittet ums mündliche Abfragen. Natürlich ist er nicht glücklich über das Weniger-Zeit-Haben. Aber gerade dadurch, dass er weiß, wie wichtig ihm seine eigene Zeit ist, schafft er es gut, sich zu organisieren. Zeit-für-sich-selbst-haben ist für ihn ein magisches Zauberwort…

Danke Melanele für die interessanten Fragen!

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Melanele ha scritto un interessante articolo sui compiti a casa e mi ha chiesto di partecipare al dibattito rispondendo ad alcune domande. Eccomi:

„Come vi regolate nell’homeschooling con i „compiti“?
Per quanto ci riguarda, non ci sono „compiti“ tipo quelli della scuola, da fare entro il giorno dopo o entro un certo periodo. Questo forse potrebbe rafforzare un certo „senso di responsabilitá“ nel bambino, nel senso che „impara ad organizzarsi il tempo e le energie“ ecc., ma noi non l’abbiamo mai fatto perché sinceramente nessuno di noi ne sente la necessitá. Nel senso che ho visto e vedo che i ragazzi comunque imparano ad organizzarsi in altre occasioni: la lezione alla scuola di musica, l’appuntamento con gli amici, orari della biblioteca, progetti personali ecc. E poi mi sembrerebbe strano e anche antipatico obbligare il bambino ad ulteriori esercizi oltre le circa due ore di lezione che facciamo ogni giorno (quasi ogni giorno – ci sono anche autentiche giornate stile Unschooling).

„O meglio: che differenze ci sono tra gli esercizi fatti nell’homeschooling e quelli che la scuola assegna per casa?
Nel rispondere a questa domanda parlo di differenza di compiti per casa della scuola e gli esercizi che ad esempio Sandro svolge durante le nostre lezioni, insieme a me o da solo.
Ad esempio in matematica gli spiego qualcosa di nuovo, faccio qualche esempio, poi lui prova da solo per vedere se quello che ho spiegato io é davvero applicabile. Una grande differenza con i compiti per casa é che si possono assegnare gli esercizi da svolgere in modo individuale per questo ragazzo, sia per quanto riguarda la quantitá, il livello di difficoltá e anche lo stile, ad esempio Sandro si diverte molto di piú se un compito da svolgere in matematica é racchiuso in una storia di anatre che parlano, invece della solita casalinga anonima che va a fare la spesa. Se il compito é quello di scrivere un tema in stile articolo-da-giornale, va benissimo se lui sceglie di scrivere su due navi di Star Wars che si scontrano invece del classico articolo su un incidente stradale – l’importante é che sappia usare i criteri richiesti da questo stile di narrazione.
La differenza piú grande ovviamente é quella che, come per i contenuti che si studiano, anche riguardo gli esercizi o lo svolgimento di questi, il bambino ha molta voce in capitolo ed é pienamente coinvolto nel processo decisionale: che tipo di esercizio? quando? per quanto tempo, fino a quale pagina e in quale modo? Un esempio: per quanto riguarda il nostro tema attuale in geografia, l‘Europa, é Sandro a decidere da volta in volta (e anche quando) quale paese studiare. È molto divertente perché lui é un tipo che si appassiona facilmente, cosí cambia abbastanza in fretta il suo „paese preferito“ e ha la possibilitá di lavorare spesso su quello che lo interessa maggiormente in quel momento. Idem con l’artista del mese, il compositore del mese, l’animale del mese… Proprio la facoltá di poter scegliere liberamente scatena nel bambino molta energia e propositivitá verso la materia e i contenuti. È vero che forse alla fine del progetto rimarranno in sospeso due, tre paesi europei che proprio non gli piacciono, pazienza, per me non é un problema vero. E poi il tempo a disposizione: lui puó decidere di „stare“ in Irlanda un giorno solo o tutta la settimana. Puó approfondire fin dove vuole lui, andare oltre i fiumi e le montagne e le cittá piú importanti, nella storia, nella politica e nell’attualitá di quel paese ecc. Anche la possibilitá di scegliere il sistema di apprendimento é una gran bella cosa: un lapbook? un cartellone? un gioco? una filastrocca? delle info-cartoline? o forse ci guardiamo semplicemente un film? E poi c’é il fatto dei voti – io non dó voti e Sandro li conosce solo attraverso gli esami di idoneitá ogni tot anni (finora ha fatto solo quello di quinta elementare), lui non si impegna negli esercizi per avere un certo voto, per sentirsi dire Bravo o Potevi fare meglio, ma per imparare quella cosa, per vedere se ci riesce, come una sfida personale. Aver fatto questa esperienza ora si rivela come molto positivo per John: lui non conosce l’ansia di essere interrogato o non é stressato prima di un test, si impegna ma non lo vedo particolarmente sotto pressione; certo che gli fanno piú piacere i 9 che i 5 che prende ma la prende piú come una cosa tipo effetto collaterale.
Diversi i compiti che porta a casa da scuola John. Lui dice che i compiti non servono a niente, anzi disturbano. Ad esempio lui che in matematica é bravo non avrebbe bisogno di fare tutti quegli esercizi (uguali per tutta la classe), é solo una rottura, una perdita di tempo (di tempo prezioso!). Anche altri compiti non trovano il suo consenso, perché lui, che negli anni precedenti ha sperimentato vari modi di studiare, preferirebbe studiare appunto in un altro modo: non dovendo rispondere per iscritto a venti domande dal libro, ma disegnando dei cartelloni o producendo altri sostegni per la memoria, e soprattutto parlando e discutendo con un’altra persona, in modo vivo e autentico (ad esempio per quanto riguarda materie come storia, tecnica alimentare, chimica ecc.). Va a finire che lui fa tutte due le cose: i compiti „per la scuola“, e poi studia a modo suo.

„E ora John ha una sua routine per i compiti a casa? E riesce ad organizzarsi? E soprattutto, trova faticoso non avere più tanto tempo libero?“
Direi di sí, si organizza da solo. Di solito fa quasi tutti i compiti scritti quando torna a casa, verso le cinque. Non é un perfezionista e di solito é abbastanza veloce. Per le cose che invece bisogna studiare, quasi sempre aspetta il giorno prima o pochi giorni prima del test o dell’interrogazione, sfruttando in questo modo la memoria a breve termine. Le cose che lo interessano molto invece di solito le deve solo ripassare rileggendole perché giá durante la lezione fa molta attenzione. Comunque ascolta anche le mie proposte, ad esempio quando gli dico che probabilmente domenica saremo fuori casa, lui i compiti li fa il sabato. Mi coinvolge poi in continuazione, raccontando cosa sta studiando, di cosa si sta occupando, chiedendo ogni tanto di fargli domande su una certa tematica da approfondire. Ovviamente preferirebbe avere piú tempo libero a disposizione perché é sempre pieno di progetti „privati“. Ma proprio perché il suo tempo é prezioso, riesce ad organizzarsi bene, per non sprecare appunto nemmeno un minuto… Avere a disposizione tempo per sé stesso, per lui é una cosa davvero importante, fondamentale per il suo benessere.


Grazie Melanele per le domande interessanti!

8 Antworten zu Melanele’s Questions

  1. melanele sagt:

    Grazie Sybille, per avere contribuito, e così rapidamente!

    Da quello che emerge dal tuo post, apprezzo particolarmente la capacità di autoregolarsi dei bambini, se lasciati veramente da soli nel lungo termine. Come Sandro che spinto solo dalla sua curiosità riesce a studiare tutti o quasi i paesi stranieri, senza il bisogno di alcuna programmazione.
    E invidio anche a John l’assoluta calma prima di test e interrogazioni… qui la calma in queste occasioni è proprio un miraggio!
    Grazie di nuovo, è davvero interessante cogliere le differenze di metodo per potersi ispirare!

  2. 'r@- laura sagt:

    Grazie per questo „racconto“..
    Ma se non ci fosse il tuo blog che mi rassicura e mi incoraggia…come farei?!

  3. Palmy sagt:

    „la facoltá di poter scegliere“ continua anche dopo i compiti tradizionali, come dimostra il caso di John… oppure può diventare un modo diverso di fare i compiti tradizionali, come sto sperimentando io da homeschooler part time… C’è sempre una possbilità di inventare qualcosa di nuovo…

  4. ciao Sybille, potrei riportare una parte delle domande e risposte citando e linkando sia te che Melanele? Sarebbe molto utile! grazie!

  5. […] Andate da Sybille per vedere come cambia la storia quando ai bambini è permesso di autoregolarsi: Melanele’s Questions Share this:FacebookTwitterLike this:LikeBe the first to like this post. da → ho un figlio […]

  6. […] di nuovo a “casa” di Sybille! Stavolta risponde ad alcune domande che un’altra blogger, Melanele, le ha fatto riguardo […]

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